Fussball-WM 2010 - Finale

Wüstes Gehacka statt Tiqui Taca. Dennoch:

'Rote Furie' bezwingt 'Fußball Brutal'

11. Juli 2010, Fussball-WM in Südafrika, Finale

Dass die Niederlande sich nicht so wehrlos dem inspirierten spanischen Fußball- Flamenco ergeben würden wie die deutsche Mannschaft im Halbfinale, war ja zu erwarten gewesen. Leider bewahrheitete sich aber auch die Befürchtung, den einstigen Vertretern des Fussball Total würde womöglich nichts anderes einfallen als Fussball Brutal. So war es bereits nach einer Viertelstunde und üblen Fouls von van Persie und van Bommel sowie einer TeakWonDoe- Einlage de Jongs vorbei mit Tiqui Taca und der Stierkampf begann.

Offenbar stand in einer nicht zuletzt von den Medien hochgeheizten Atmosphäre für beide Mannschaften einfach zu viel auf dem Spiel. In einer häßlichen Schlacht mit mehr Fouls und Gelben Karten als Torchancen blieben die Iberer, die sich - wenn auch nur mit bescheidenem Erfolg - nach wie vor mehr als die Niederländer darum bemühten, Fussball zu spielen, weiterhin tonangebend und kamen zu einigen Möglichkeiten, aber auch Holland besaß - den Ausdruck 'erspielte sich' empfinde ich angesichts des Geholzes auf dem Platz eher als unpassend - insbesondere durch den pfeilschnellen Arien Robben einige gute Torchancen.

Kurz vor dem Ende der Verlängerung war es dann aber doch Iniesta, der den Matador gab und dem wilden holländischen Stier den entscheidenden Stich mitten ins orange Fussballherz versetzte.

Fussball WM-Finale 2010: Spanien - Niederlande 1:0 n.V.

 

Fußball WM 2010 - Vorrunde

Fußball in einem anderen Land:

Wo bitte geht's zum Strafraum?

17. Juni 2010, Fussball-WM in Südafrika, 1. Gruppenspielrunde

Wunderschöne Fussballstadien haben sie in Südafrika gebaut.
Das ist mir als erstes aufgefallen. Vermutlich, weil ich damit nicht gerechnet hatte. Riesige Arenen, beeindruckende Architektur, sattgrüner Rasen bis zu den Rängen und Tribünen bis hinauf in den Himmel.
Von wegen die Afrikaner kriegen das nicht hin...

Auf die Vuvuzelas war ich gespannt. Die ersten 15 Minuten fand ich's stimmungsvoll. Dann habe ich mich gefragt, ob mit der Tonübertragung etwas nicht in Ordnung ist. Schließlich wurde ich belehrt, dass das in Südafrika so üblich ist... Vor dem Bildschirm nervt vor allem die Gleichförmigkeit. Ein verfälschter Anschein von Exclusivität: Nur der Reporter, der Bienenschwarm und ich. Wie bei Radioübertragungen aus den 1960er Jahren, wenn live aus Chile oder der Mongolei berichtet wurde.
Das Schöne daran ist, dass man sich tatsächlich an Gesängen der englischen und der niederländischen Fans erfreut, wenn sie für einige Sekunden das Summen der Hornissen übertönen...

Das war aber auch das einzige, was die Engländer bisher zu bieten hatten. Aber nicht nur die Engländer: Keiner der Favoriten vermochte bisher auch nur ansatzweise das zeigen, was man sich von ihm erhofft. Keiner? Nun, jedenfalls weder Spanien noch Brasilien, weder die Niederlande noch England, weder Italien oder gar Frankreich. Argentinien zeigte einige gute Ansätze, mit Abstrichen die Elfenbeinküste. Ein Team allerdings überstrahlte alle andern: Ja, das war tatsächlich good old Germany, das waren die Deutschen. Mit Klose und Poldi. Wer hätte das gedacht? Ich nicht.
Ok, man muss sich fragen, waren wir so stark oder waren die Aussies so schwach. Aber egal. Auch Paraguay, die Schweiz oder die USA gelten nicht unbedingt als Überflieger, und doch wären Teams wie Italien, England oder Topfavorit Spanien verdammt froh, wenn sie gegen diese Gegner irgenwie gewonnen hätten. Oder jedenfalls nicht verloren...
Ich lege mich da mal fest: Wenn die WM nach der ersten Runde der Gruppenphase abgepfiffen würde, wäre Deutschland ein ebenso verdienter wie würdiger Weltmeister.

Ansonsten treibt einmal mehr das Defensivgespenst sein Unwesen. Dabei hatte ich nach der EM in 2008 gehofft, dass attraktiver Offensiv-Fussball, wie er bei diesem Turnier von den Spaniern, Holländern und den Russen zelebriert wurde, eine Renaissance erleben könnte. Davon war bisher in Südafrika nicht viel zu sehen. Vielmehr mussten wir erleben, dass mit einer ausgeklügelten Defensivtaktik und diszipliniert agierenden und gut trainierten Spielern - und gut trainiert sind inzwischen nahezu alle Spieler aller teilnehmenden Nationen - fast jedes Fussballspiel erstickt werden kann, egal, wie unterschiedlich die Qualität der Spieler sein mag. Wobei man zugeben muss, dass es inzwischen in fast jeder Mannschaft einige hervorragende Spieler gibt.
Klar, man kann den 'Kleinen' keine Vorwürfe machen, wenn sie legitimerweise danach trachten, den 'Großen' das Leben schwer zu machen, und für Taktikfüchse mögen diese Spiele ja durchaus genussvoll sein - aber als Fussballfreund alter Prägung erfreue ich mich halt insbesondere an den sogenannten Strafraumszenen - und die waren bisher leider mal wieder reichlich rar.
Vielleicht ändert sich daran ja etwas, wenn im weiteren Verlauf der Gruppenphase und später in den Ausscheidungsrunden nicht mehr ein gutes Ergebnis, sondern nur noch ein Sieg zählt, wenn beide Mannschaften gewinnen wollen und es niemandem mehr etwas nutzt, bloß nicht zu verlieren.

Auch wenn es selbstverständlich noch viel zu früh ist, wirklich etwas über die Chancen der Teams auszusagen, tue ich es natürlich trotzdem:
Mit Italien und Frankreich rechne ich diesmal nicht im Finale. Warum die Franzosen seit Jahren an Domenech festhalten, ist mir ein Rätsel, Italien wie auch England scheinen mir in einer vergleichbaren Krise zu stecken wie vor ein paar Jahren Deutschland: Zu routiniert, zu satt, erstarrt in Ehrfurcht vor der eigenen Tradition und ohne jedes Feuer.
Wobei man, insbesondere was die Franzosen und die Italiener anbetrifft, stets mit allem rechnen muss, wenn sie erstmal die Vorrunde überstanden haben...
Positiv überraschten die Schweiz, Japan, Paraguay und Chile, noch bessere Außenseiterchancen sehe ich aber für Südkorea, die Elfenbeinküste, Mexico mit dem enorm talentierten Dos Santos oder Uruguay mit dem - wie Klinsi sagen würde - in bestechlicher (;) Form befindlichen Diego Forlan.
Brasilien, die Niederlande und Portugal konnten nicht überzeugen, es bleibt abzuwarten, inwiefern diese Mannschaften sich steigern können. Den Spaniern traue ich es zu, sich von dem Schock im ersten Spiel zu erholen, vielleicht laufen sie gar unter dem nun enormen Druck zur Höchstform auf, die sie weit tragen könnte. Argentinien mit Messi und viel Begeisterung wird sicherlich ebenfalls noch weiter zulegen. Deutschland muß gegen Serbien die ersten sehr guten Eindrücke bestätigen, dann ist in der Tat einiges drin.

Dass früher Lorbeer rasch verwelken kann, sieht man eindrucksvoll an dem Tippspiel, an dem ich teilnehme. Nachdem ich am ersten WM-Tag beide Ergebnisse richtig vorhergesagt hatte, lag ich allein auf weiter Flur in Führung. Da ich in den nächsten beiden Spiele zumindest die Tendenz ebenfalls richtig getippt hatte, konnte ich den Vorsprung sogar noch ausbauen und eine ganze Weile verteidigen. Spiele wie die von Japan, Slowenien oder Neuseeland, wo die Underdogs unter sich sind, haben mir nun alles verdorben.

Hauptsache, HaJo liegt immer noch hinter mir ;)
Und außerdem ist Fussballergebnisse Tippen ja auch nicht das wirkliche Leben...

2 Kommentare

Eidgenosse
2010-07-24, 23:45:08
Ich habe Schweiz - Honduras gesehen, das war auch ne üble Quälerei. Aber immerhin waren wir die einzigen, die den Weltmeister besiegt haben.
Hopp Schwyz!

HaJo
2010-07-13, 21:46:29
Als Super-WM wird mir diese leider nicht in Erinnerung bleiben, zu viel Taktik, zu wenig Tore. Wenn man z.B. für die 2. Halbzeit von Paraguay - Japan auf der Arbeit alles stehen und liegen lässt, kommt man schon ins Grübeln. Ich bin halt auch ein Romantiker alter Prägung, dem ein 3:2 mit vielen Abwehrfehlern lieber ist als ein taktisch ausgeklügeltes Geduldsspiel, das 1:0 endet. Die deutsche Mannschaft sollte aber nicht enttäuscht sein, hat sie doch gegen England und Argentinien zwei sensationelle Partien hingelegt, auf sie wirklich stolz sein kann. Damit sollte der Begriff 'Rumpelfußball' für unsere Mannschaft erstmal der Vergangenheit angehören. Und an das obligatorische Debakel beim Tippspiel habe ich mich irgendwie schon gewöhnt. Dabei hatte ich vor der WM schon gesagt, dass mit Frankreich und Italien nicht viel los sein wird, wobei ich beiden die Vorrunde schon noch zugetraut hatte. Naja, erstmal verschnaufen und ab August wieder mit 96 zittern...

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